Heimreise

Berge, Hügel und Bäume. Wiesen, Blumen und Bäche. Straßen, Brücken und Häuser. Autos, Räder und LKWs. Alles zieht an mir vorbei, als wäre die Welt stehen geblieben und ich wandere hindurch. Auch hier im Inneren des Zuges, in diesem kleinen, erschreckendem Abteil, steht die Welt merkwürdig still. Es ist still und doch ist es laut, als wären deine Ohren beschlagen, als könntest du nichts mehr in dich aufnehmen, als wären deine Ohren überfordert damit einfache Eindrücke in sinnvolle Töne zu verwandeln. So wandert dein Blick aus dem Fenster, in der Hoffnung dort einen Ausweg aus diesem Desaster zu finden. Alles schwebt vorbei, die ganze Welt wie es scheint. Du kannst den Augenblick nicht festhalten. Siehst zwar die Wiesen, die Bäche, die vorbeiziehenden Züge, die kleinen Wolken, den blauen Himmel. Du nimmst die Strommasten wahr, erkennst den ein oder anderen Baum, lässt dich von der Sonne blenden, doch es dringt nicht wirklich zu dir durch. Es fühlt sich an, als wärst du isoliert und du fühlst dich eingesperrt, deine Kehle ist trocken, deine Lunge zieht sich irgendwie zusammen. Du könntest lachen, aber gleichzeitig auch heulen.

Da dringt ein vertrauter Laut zu dir durch. Und dieser Laut lässt dich aus deiner Starre erwachen du greifst zu deinem Handy, zu diesem kleinen unscheinbaren und mittlerweile so normalen Gerät, dass du vor ein paar Tagen in eine blaue Kunstlederhülle gesteckt hast machst den Klettverschluss auf und ziehst es langsam heraus. Wie du erwartet hast, leuchtet oben dieses kleine grüne Lichtchen auf. In regelmäßigen Abständen blinkt es auf und beruhigt dich, denn es bedeutet, dass du nicht vergessen bist, dass in diesem Moment irgendwer an dich gedacht hat und ein kleines Grinsen gleitet über deine Lippen, als du siehst, wer dir da geschrieben hat, wird dein Grinsen breiter, denn es ist deine beste Freundin. Sie zieht dich wieder etwas heraus aus der Leere, denn die Freude über dieses Wochenende übermannt dich wieder. Du fährst nach Hause, einfach nach Hause, siehst sie alle wieder, oder zumindest einen großen Teil von all den Leuten, die dir wichtig sind. Und doch, musst du dich ausbessern, es ist nicht mehr wirklich dein Zuhause, denn du wohnst jetzt in Graz. Du wohnst jetzt in der großen Stadt, dort wo du zum Studieren hingezogen bist und besuchst eigentlich nur deine Eltern. Wieder kommt dieser Schmerz in dir hoch, denn eigentlich fühlst du dich noch zu jung um von zu Hause getrennt zu sein.

Seufzend siehst du wieder aus dem Fenster. Es bringt sich nichts, denn du fährst jetzt nach Hause, der Ort, der für dich wirklich „Daheim“ bedeutet, du weißt nicht, wie das in Zukunft werden wird, denn es ist für dich noch unvorstellbar den Ort einmal nicht daheim zu nennen in dem du aufgewachsen bist, du fühlst dich, als hättest du zwei Orte an die du gehörst, zwei Wohnungen, zwei Zimmer, zwei Städte, die für dich „Heimat“ bedeuten, doch gehörst du auch in keine von den beiden. An dem einem Ort sind all die Erinnerungen, alles, was du in deiner Kindheit erlebt hast, in dem anderen Zimmer, dem Zimmer, dass du dir mit großer Freude selbst eingerichtet hast, dass deine Persönlichkeit wiederspiegeln soll, ja in diesem kleinem Zimmer, da ist alles, was dich ausmacht. Deine Sachen, die dich zu der Person machen, die du bist. Viele deiner Bücher, viele deiner Dekorationen und eben diese Kleinigkeiten, die einen Ort für dich zu Hause nennen. An den einen Ort gehörst du nicht mehr, da all diese Dinge fehlen, da du hier jetzt ja doch nur noch irgendwie als Gast zählst, an den anderen Ort gehörst du aber nicht, da dir all die Erinnerungen und all deine Freunde fehlen. Es ist, als wärst du entzweigerissen.

Wieder verwirfst du diesen Gedanken wieder, denn er tut nur zu sehr weh und außerdem kannst du nicht ändern, was geschehen ist und du weißt, auch wenn es wehtut, dass es richtig war und dass es schöne Jahre werden, die da vor dir stehen. Wieder gleitet ein Grinsen über deine Lippen, aber nicht nur wegen den guten Aussichten, sondern auch, weil du den ersten Bahnhof und somit eine Stunde von den fünf langen Fahrstunden, hinter dir gelassen hast und weil dein Handy wieder diesen kleinen aber erfreulichen Ton von sich gegeben hat. Mit ihren kleinen SMS schafft es deine Beste dir wieder die Vorfreude auf dieses Wochenende in Erinnerung zu rufen, denn deshalb sitzt du eigentlich in diesem Zug, weil du nach Hause willst, weil du deine Familie wieder sehen willst und dich schon darauf freust sie alle wieder zu sehen. An die Rückreise willst du erst am Sonntag denken, denn vorher hast du keinen Grund dazu, immerhin kommt zuerst die Freude.

Wieder geht dein Blick aus dem Fenster, denn du kannst es kaum noch erwarten die dir seit deiner Kindheit vertraute Umgebung zu sehen, doch zur Zeit ist alles schwarz, denn du fährst durch einen Tunnel. Alle paar Sekunden siehst du wieder raus und als dich die Sonne blendet, zwickst du zwar die Augen zusammen, doch du bist glücklich, es kommt zwar schnell ein neuer Tunnel, doch du musst ja immerhin zuerst durch die Berge, da du auf der anderen Seite der Alpen Zuhause bist. Als auch dieser Tunnel vorüber ist, beobachtest du ein wenig die Umgebung, du kennst dich hier nicht aus, doch du weißt, nicht mehr lange und ich bin daheim. Mit diesem Gedanken lässt du deinen Gedanken wieder freien Lauf und beendest diesen Text, denn die Reise mag lang sein, doch auch du weißt:
Irgendwann werde auch ich ankommen!

___________________________________________________by at plutos____

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Über plutoanier

Normal? Nein, das bin ich sicher nicht...vl bin ich nicht so anders, wie ich denke, doch bin ich niemand dieser ganzen mit der Masse Schwimmer. Es war vor ein paar Jahren, da sind wir auf diesen Namen gekommen, Pluto, ich und meinesgleichen haben beschlossen, wir sind sicher nicht von diesem Planet, sonst würden sie uns nicht immer so komisch ansehen, doch hin und wieder muss es auch eine Erdstrandung geben. Was uns auszeichnet? Individulität, Sturheit, mit dem Kopf durch die Wand und vor allem eines: Anders und verrückt sein!
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